Sie sind eine „echte“ Silberkämperin, oder? 

Ja, ich ging hier selbst zur Schule und habe 1981 am Silberkamp mein Abi gemacht. Seit 1995 bin ich als Lehrerin für Englisch und Geschichte hier – das sind immerhin 35 Jahre! Ich kenne die Schule also aus allen Blickwinkeln 😊.

Können Sie sich erinnern, wie Sie als Schülerin am Silberkamp angefangen haben? 

Ja, so ein paar kleine Erinnerung habe ich noch. Ich war sehr stolz, aber natürlich auch ziemlich aufgeregt. Ich fuhr jetzt mit dem Fahrrad zur Schule und fühlte mich sehr selbständig. Im Englischunterricht bekamen wir englische Namen. Ich sollte „Betty“ heißen, das fand ich schrecklich. Glück und Elend empfand ich bei den ersten Klassenarbeiten: in Erdkunde eine 1, in Biologie eine 5. Das war meine erste, aber natürlich nicht meine letzte 5. Ich denke, das geht heute auch vielen Fünftklässlern so. Die Anforderungen sind schon anders als in der Grundschule und manche Noten sind nicht mehr so gut. 

Was waren wichtige Momente während Ihrer Schülerzeit?

Die Wahl für die 2. Fremdsprache. Damals konnte man sich nur zwischen Französisch und Latein entscheiden. Ich wollte Französisch lernen, aber mein Vater bestand auf Latein – Familientradition! Wir hatten dann einen tollen Lehrer und viel Spaß mit ihm in Latein, daher war es okay! Einmal haben wir vorher herausgefunden, welchen Text wir in einer Arbeit übersetzen sollten. Da haben die richtig guten Schüler*innen den Text übersetzt, die anderen haben dann den deutschen Text auswendig gelernt und alle haben eine 1 oder eine 2 gehabt. So haben wir ja nicht geschummelt, aber wir waren doch ziemlich clever. Unser Lehrer hat sich sehr gewundert! 

Wieso haben Sie sich eigentlich dafür entschieden, Ihre Karriere auf derselben Schule zu machen, in der Sie als Kind Unterricht hatten?

Das Silberkamp ist eben „meine“ Schule. Es gibt eine Geschichte, die ich schon ein paar Mal erzählt habe: Mein erster Tag als Fünftklässlerin hier am Silberkamp war in Raum A 0.12 und auch meine erste Stunde als Lehrerin an dieser Schule war in diesem Raum. Zufall? Ich habe in dem Moment jedenfalls eine Gänsehaut gehabt und geahnt, dass mein Leben hier am Silberkamp sein Schicksal nehmen wird.  Manchmal, wenn ich schlecht schlafe, dann träume ich, ich wäre an eine andere Schule gegangen und ich wache mit klopfendem Herzen auf. Ich gehöre hierher – jetzt wäre es für einen Wechsel auch zu spät. 

Sie sind ja nicht „nur“ Lehrerin, sondern auch Koordinatorin. Was bedeutet das?

Als Koordinatorin ist man Mitglied der Schulleitung und unterstützt den Schulleiter bei allen wichtigen Entscheidungen und Entwicklungen an der Schule. Ich bin verantwortlich für die Jahrgänge 5 – 9. Dazu gehört auch die Aufgabe, die 5. Klassen nach Freundschaftsgruppen zusammenzustellen. Das ist eine schwierige Aufgabe. Ehrlich gesagt ist auch mal so, dass man Gruppen besser nicht zusammen in eine Klasse gebracht hätte, weil sich die Unruhe aus der Grundschule dann am Gymnasium fortsetzt. Das macht das gemeinsame Lernen und das Unterrichten für die Lehrer*innen schwierig. 

Das klingt, als würden Ihnen die „Neuen“ ganz besonders am Herzen liegen!

Ja, das ist auch so. Unsere Fünftklässler bringen eine Lebendigkeit und Fröhlichkeit in die Schule, die mir sehr wichtig ist. Ich empfinde es als große Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich „die Neuen“ hier schnell als Silberkämper fühlen. Ihr Vertrauen in diese Schule herzustellen, ist eine besondere Verantwortung. 

Wie meinen Sie das?

Für mich ist das soziale Miteinander das A und O einer Schule. Ich finde technische Ausstattung wahnsinnig wichtig, aber Schule ist im Wesentlichen ein Ort, an dem viele Menschen mit unterschiedlichen Werten, Meinungen und Erwartungen zusammenkommen und viel Zeit miteinander verbringen. Das geht nur, wenn Werte wie Toleranz und Respekt einen hohen Stellenwert haben und Konflikte auf friedliche Art und Weise beigelegt werden. Erst dann hat jeder auch eine Chance, sich hier sicher aufgehoben zu fühlen und erfolgreich zu lernen. Körperliche und verbale Gewalt sind für mich vollkommen inakzeptabel. Mein Anspruch ist es, dass alle Schüler und Schülerin morgens aufstehen und grundsätzlich sagen: „Ich gehe gerne in die Schule“! 

Dann wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für das Interview!

Vielen Dank und – sehr gerne!